Direkt zum Inhalt
Gasthaus Kollmar Auhausen

Geschichte

Ein Anwesen mit langer Vergangenheit

Wer heute im Gasthaus Kollmar Platz nimmt, sitzt an einem Ort mit besonderer Geschichte. Die Nähe zum ehemaligen Klosterareal prägte die Entwicklung des Hauses über Jahrhunderte. Zwar unterstand die Wirtschaft der klösterlichen Herrschaft, zum Klostereigentum gehörte sie jedoch nie. Sie war und blieb eine eigenständige, weltliche Dorfwirtschaft.

Gerahmte historische Zeichnung an der Wand des Gastraums: die Klosterkirche Auhausen mit zwei Türmen und den Wirtschaftsgebäuden, davor Menschen in Tracht auf dem Weg.
Diese Ansicht hängt im Gastraum der Wirtschaft an der Wand und erinnert die Gäste an die tiefe Verbundenheit des Dorfes mit der ehemaligen Klosterkirche.

Wo das Wirtshaus seinen Anfang nahm

Historischer Stich: die Klosterkirche Auhausen mit ihren zwei Türmen und die angrenzenden Klostergebäude, davor ein Spaziergänger.

Wo heute stille Mauern von vergangenen Zeiten erzählen, lebten einst Mönche inmitten einer über tausendjährigen Geschichte. Im frühen 12. Jahrhundert entstand das Benediktinerkloster Auhausen. Die mächtige Klosterkirche und erhaltenen Teile der Anlage lassen diese Zeit bis heute erahnen.

Die Dorfwirtschaft ging ihren eigenen Weg. Sie gehörte nie zum Klosterbereich, stand jedoch unter dessen Herrschaft. Um 1520 ist mit Leonard Lehen erstmals ein Wirt belegt. Mit dem Ende des Klosters begann auch für sie ein neues Kapitel.

Von der Tafernwirtschaft zur "Ehem. Klosterherberge"

Historische Aufnahme um 1900: eine Runde von Männern mit Bierkrügen an einem Tisch vor dem Wirtshaus, Rechts die Wirtin Margarethe Betz als Bedienung mit weißem Schürzenkleid.
Historische Aufnahme um 1900: eine Runde von Männern mit Bierkrügen an einem Tisch vor dem Wirtshaus, Rechts die Wirtin Margarethe Betz als Bedienung mit weißem Schürzenkleid.

Die Auhausener Dorfchronik bezeichnet das Anwesen seit 1720 als Tafernwirtschaft mit Bierbrauerei. Die Tafern war mit verschiedenen Rechten zur Verköstigung und Unterbringung von Gästen ausgestattet. Meist verfügte die Gastwirtschaft über umfangreichen Grundbesitz.

Das Haus, wie es heute an der Klosterstraße steht, stammt aus dem 18. Jahrhundert. Im späten 19. Jahrhundert lässt sich dort die Familie Michael und Margarethe Betz nachweisen.

In den 1980er-Jahren setzte sich die Bezeichnung „Klosterschenke“ durch. In der heutigen denkmalpflegerischen Bezeichnung wird das Gebäude als „Ehemalige Klosterherberge, jetzt Gasthaus“ geführt. Diese Bezeichnung ist jedoch von der tatsächlichen historischen Nutzungsgeschichte zu unterscheiden, da nie ein direkter Zusammenhang zum klösterlichen Betrieb bestand.

Der Kellerberg

Historisches Luftbild von Auhausen: das Dorf mit der Klosterkirche zwischen Weiher und Feldern, dahinter der Kellerberg.
Der Kellerberg, wie ihn der Auhausener Heimatdichter Dr. Otto Meyer in seinem Gedicht „Blick vom Rosenbuck“ sah: Der Ort schmiegt sich an den Berg, und zwei Linden halten gleichsam Wache.

Der Kellerberg gehört zu den Orten in Auhausen, an denen sich die Geschichte des Dorfes, seiner Wirtshauskultur und des Bierbrauens besonders anschaulich miteinander verbinden.

Für das Jahr 1784 wird in der örtlichen Überlieferung der Bau eines Sommerkellers mit Kellerhaus durch den damaligen Wirt genannt. Ein Sommerkeller war traditionell ein Bierlagerkeller, der in den warmen Monaten auch bewirtschaftet und zum Ausschank genutzt wurde.

Die örtliche Überlieferung wird durch Berichte bestätigt: “Noch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Winter Eis aus der zugefrorenen Wörnitz gesägt und in den Bierkeller gebracht.” Das beim Schmelzen entstandene Wasser soll durch eine Leitung hinter dem Keller wieder zurück zur Wörnitz geleitet worden sein.

Die Verbindung von Fluss, Keller und Gastwirtschaft prägte das Erscheinungsbild dieses Ortes.

Die Verbindung zu OeTTINGER

Im Februar 1900 starb der junge Wirt Michael Betz. Seine Witwe Margarethe Betz heiratete anschließend Johann Friedrich Kollmar, der aus Waizendorf stammte.

Damit kam der Name Kollmar nach Auhausen.

Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Der älteste Sohn, Friedrich Kollmar, übernahm später als Hoferbe die Landwirtschaft und die Gaststätte.

Und dieser Namenswechsel von Betz zu Kollmar war mehr als nur eine Veränderung über der Eingangstür. Denn mit der Familie Kollmar kam eine Familiengeschichte hinzu, die später weit über Auhausen hinausreichen sollte und zwar nach Fürnheim. Der jüngste Sohn von Johann Friedrich und Margarethe Kollmar, Otto Kollmar, heiratete später in die traditionsreiche Forstquell-Brauerei in Fürnheim ein. Aus dieser Verbindung entwickelte sich später ein Unternehmen, das heute weit über die Region hinaus bekannt ist. Otto und sein Sohn Günther Kollmar übernahmen 1956 die damalige Fürstliche Brauerei in Oettingen und legten damit den Grundstein für das heutige Unternehmen “OeTTINGER”.

Das Wirtshaus im Dorf

Über Generationen blieb die Wirtschaft ein wichtiger Treffpunkt des Dorfes. Hochzeiten, Vereinsfeste, Feuerwehrfeiern und andere gesellschaftliche Veranstaltungen machten den Saal und die Gastwirtschaft zu einem Mittelpunkt des Auhauser Dorflebens. Die lange Geschichte als Tafernwirtschaft, Brauerei und Dorfwirtschaft reicht damit weit über die Familie Kollmar und das 19. Jahrhundert hinaus.

Historische Aufnahme des Gasthauses Kollmar um 1900: vor dem zweigeschossigen Gebäude stehen Dorfbewohner und Pferde auf dem unbefestigten Platz, rechts schließt das Brau- und Wirtschaftsgebäude an.
Das Gasthaus Kollmar um die Jahrhundertwende. Vor dem stattlichen zweigeschossigen Gebäude haben sich Bewohner des Ortes versammelt. Pferde stehen auf dem unbefestigten Platz vor dem Gasthaus und werden am Brunnen getränkt. Rechts ist das zugehörige Brau- bzw. Wirtschaftsgebäude zu sehen.

Heute geht die Geschichte weiter

Nach Jahren der Stille ist das Haus seit dem Sommer 2026 wieder Wirtshaus.

Jetzt ist das Licht wieder an. Wir haben das Gasthaus Kollmar in Auhausen nicht auf neu getrimmt, sondern behutsam hergerichtet: Die Wirtsstube ist wieder eingeräumt, die Dielen knarzen weiter — und auf den Tisch kommt, was die Gegend hergibt. Regional, saisonal und in Bio-Qualität, wo immer es geht.

Geöffnet wird immer freitags, sowie anlassbezogen: Wirtshausabende, kulturelle Veranstaltungen, Feste im Lauf der Jahreszeiten. Am nördlichsten Rand des Donau-Ries, wo sich auch die Nachbarn der zwei angrenzenden Landkreise, Mittelfranken und Weißenburg/Gunzenhausen, heimisch fühlen dürfen.

Die Geschichte dieses Hauses schreibt sich weiter – und wer mag, sitzt dabei am Tisch.

Die drei Wirte mit Bierkrügen vor dem vollen Biergarten des Gasthauses Kollmar am Abend der Wiedereröffnung.
Der erste Abend nach dreißig Jahren — 10. August 2026.

Auf einen Blick

  • ca. 1520 Erste Erwähnung eines Wirtes auf dem Anwesen (Leonard Lehen)
  • 1598 Hans Meyer (Wirt) gehörte zu den wohlhabendsten Menschen im Dorf.
  • 1720Errichtung einer Brauerei dank herrschaftlicher Genehmigung.
  • 1784 Errichtung eines Sommerkellers am heutigen Kellerberg durch den Wirt Johannes Herrle.
  • 18. Jh.Das heutige Haus entsteht; Wirtschaftsgebäude von 1796, Anbau von 1893.
  • 1895Die Dorfwirtschaft ist bildlich belegt — Kirchweih „beim Betz".
  • 1829 Mit Friedrich Kollmar beginnt die Geschichte der Familie Kollmar auf diesem Anwesen.
  • Um 1900Der Brauereibetrieb endet um den 1. Weltkrieg herum.
  • 1995Fritz Kollmar beendete den Wirtshausbetrieb.
  • 2026Drei Wirte eröffnen das Gasthaus Kollmar neu.

Nach der Ortschronik auf kloster-auhausen.de, der bayerischen Denkmalliste (Baudenkmal D-7-79-117-9), Kirchenbücher Auhausen sowie FÖSAH (Fürstlich Oettinger-spielbergsches Archiv Harburg).